Berufsbildungsprojekt für Roma-Jugendliche und junge Erwachsene

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Förderverein Roma e. V., Frankfurt am Main

Der Förderverein Roma e. V. existiert seit 30 Jahren. Gegründet hat er sich zur Unterstützung der Selbsthilfeorganisation Roma Union in Frankfurt am Main.

Die Schwerpunkte der Arbeit liegen in der Sozialberatung, dem Bildungsbereich sowie der Öffentlichkeitsarbeit und dem Engagement gegen Rassismus und Diskriminierung von Roma und Sinti.

Der Träger betreibt eine Kindertagesstätte mit 80 Plätzen und einem Regelschulprojekt, ein Jugendberufs- und Erwachsenenbildungsprojekt und ist im Bereich der Jugendhilfe, d. h. der ambulanten Familienhilfe und Erziehungsbeistandschaft, tätig. Zudem unterstützt er Hilfesuchende bei Fragen der Versorgung, Arbeit, Wohnung, Bildung, Gesundheit und in Fällen von Ausgrenzung im Rahmen der Sozialberatung. Das Archiv des Vereins steht Interessierten, Studierenden und Schüler:innen zur Verfügung. Der Förderverein Roma e. V. ist Träger der Theodor Heuss Medaille und des Integrationspreises der Stadt Frankfurt. Zurzeit sind 47 Personen auf Voll- und Teilzeitebene beschäftigt. ProRegion unterstützt die Jugendberufsbildung des Trägers seit 2005 und ermöglicht so die erfolgreiche Arbeit!

Der Förderverein Roma leistet seit 1992 pädagogische Arbeit mit deutschen und ausländischen Roma-Kindern und -Jugendlichen. Es ist festzustellen, dass viele der Jugendlichen keine abgeschlossene Schul- oder Berufsausbildung haben und somit auf dem Arbeitsmarkt völlig chancenlos bleiben. Bundesweite Expertisen und EU-Berichte über die schulische bzw. berufliche Bildungssituation von Roma sind alarmierend. Eine Integration in herkömmliche betriebliche oder überbetriebliche Ausbildungs- oder Qualifizierungsgänge ist in der Regel erfolglos, da die Angebote die speziellen Fähigkeiten und Lebenssituationen der Jugendlichen vernachlässigen, die Eingangsvoraussetzungen seitens der Betroffenen nicht erfüllt werden oder schlicht kein Zugang bzw. keine Kommunikation und Vermittlung existiert. Es müssen daher dringend adäquate Zugangsmöglichkeiten/Lehrgänge im Bereich Qualifizierung und Beschäftigung entwickelt und verwirklicht werden. Der Förderverein Roma kommt diesem Anspruch durch das Berufsbildungsprojekt für Roma-Jugendliche und junge Erwachsene nach. Das Frankfurter Projekt beabsichtigt, den Teufelskreis von mangelnder Qualifikation und Arbeitslosigkeit zu durchbrechen und eine akzeptierte Alternative in den Bereichen schulische und berufliche Bildung zu schaffen. Es wendet sich an Jugendliche und junge Erwachsene, die in die Lage versetzt werden sollen, perspektivisch für ihre eigene Existenz und die der angeschlossenen Familienmitglieder zu sorgen. Dabei stellt es eine sinnvolle Ergänzung zur Tätigkeit des Trägers innerhalb der Kindertagesstätte „Schaworalle“ und dem ihr angeschlossenen Schulprojekt sowie der Sozialberatung bzw. dem Erwachsenenbildungsprojekt dar. Ein weiterer Effekt des Projekts ist die Vernetzung, der Austausch, die Erarbeitung und Dokumentation von exemplarischen Erfahrungen, die nach Reflexion und Korrektur auch auf regionaler, bundesweiter oder internationaler Ebene dargestellt werden können.

Das Projekt

Das Projekt wendet sich an 18 Roma-Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 27 Jahren, darunter sind deutsche und ausländische Teilnehmende. Bezüglich der Migrant:innen handelt es sich vor allem um Roma aus Rumänien, die seit vielen Jahren in Frankfurt am Main leben und deren Aufenthaltstitel über die EU-Freizügigkeit bis zur Duldung reicht oder die bereits die deutsche Staatsbürgerschaft haben. Die Ausrichtung an den Fähigkeiten und Fertigkeiten der jungen Roma sowie an deren individueller Interessenslage als auch den traditionellen Hintergründen und die Vermittlung von objektiv notwendigen Fähigkeiten (Verantwortung, Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Fairness) beschreiben die Voraussetzung der Arbeit. Die Praktika-Bereiche umfassen unter anderem Hauswirtschaft, Innenausbau, Dolmetscher/Mediation, Schneiderei, Friseur, KFZ-Bereich, Erzieher/in, Verkauf, Einzelhandel, Kranken-/Altenpflege, Bedienung, Hotelbereich und Gärtnerei. Der Förderverein Roma bringt insbesondere die Kenntnisse im sozialpädagogischen Bereich durch seine Vermittlungsfunktion und sein Erfahrungspotential in das Projekt ein. Ein Projekt im Sektor Berufsorientierung für Roma-Jugendliche kann nur dann erfolgreich sein, wenn die Inhalte die Betroffenen überzeugen. Hierzu gehören neben den gemeinsam entwickelten Qualifikations- und Beschäftigungsangeboten vor allem die Kommunikation mit und die Begleitung von den Jugendlichen, die intensive Eltern- und Familienarbeit als auch die Beratung und die enge Kooperation mit externen Partnern. Insbesondere sind in diesem Zusammenhang Fragen der individuellen Orientierung, der Motivation, des persönlichen Kenntnisstandes, der Perspektive, der sozialen Situation und gegebenenfalls der persönlichen Konfliktbewältigung zu thematisieren.

Gerade schwierige Schüler:innen, die in herkömmlichen Qualifikationsangeboten keine Anbindung finden, erhalten nach dem Arbeitsverständnis des Trägers im Projekt eine Chance auf Schulbildung. Binnendifferenzierung, Einzelförderung, muttersprachliche Nachhilfe und entsprechende Klassenteilungen ermöglichen eine angepasste Unterstützung. Andererseits besteht noch immer, wenn auch für wenige Teilnehmende, die Gefahr der Ausweisung, denn sollte die Familie abgeschoben werden, bleiben die Kinder – auch bei Volljährigkeit (vor allem Mädchen) – nicht allein in Deutschland zurück. Durch die Vermittlung von Schulkenntnissen – von Grundwissen in Lesen, Schreiben und Rechnen bis hin zum qualifizierten Hauptschulabschluss – von Arbeitssozialisation und geregelten Strukturen wird insbesondere der Aspekt der Nachhaltigkeit dokumentiert.

Eine enge sozialpädagogische Betreuung, vor allem durch muttersprachliche

Mitarbeiter:innen des in der Gemeinde bekannten und geachteten Trägers, hat sich als unabdingbar erwiesen, da immer wieder Probleme (Akzeptanz in der Familie, private Schwierigkeiten, Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern, Gespräche mit Praktikumsleitern) auftauchen, die die Begleitung der Jugendlichen und der Eltern als auch die enge Kooperation mit externen Partnern notwendig machen. Die Zielsetzung des Projekts, einen möglichst breiten Zugang zu Ausbildung und Beruf zu erreichen, eigenverantwort-liches Handeln zu entwickeln und letztlich die eigene Existenz zu sichern, wird von den Jugendlichen befürwortet.

ProRegion fördert das Jugendberufsbildungsprojekt seit 15 Jahren. Die Stiftung trägt so maßgeblich zum Erhalt der Initiative und zur gezielten Förderung von Jugendlichen im Bereich Schule und Beruf bei. Auch das Engagement gegen Diskriminierung, die Eröffnung von Perspektiven und die Stärkung des Empowerments von Rom:nia und Sinti:ezza wird mit Hilfe von Pro Region realisiert.

Für die so wichtige und nachhaltige Unterstützung dankt der Förderverein Roma e. V. Pro Region!

 

Silke Huropp                                Joachim Brenner

Koordination                               Leitung